Chaostage in Berlin 
Bewohner in Angst! 200.000 Christen werden erwartet
Schon seit Monaten mobilisieren tausende Gottesanhänger im Internet für ihr großes Treffen in der deutschen Hauptstadt. Viele Bürger sehen der christlichen Zusammenkunft aber eher mit Schrecken entgegen. Zu gut sind vielen noch die schrecklichen Bilder der letzten Mai-Krawalle in Erinnerung, als wieder Fenster und Kraftfahrzeuge zu Bruch gingen und angereiste Journalisten die ganze Stadt mit einem Haufen von langweiligen Reportagen überzogen. Berlin hat genug davon, aber die Schar der Gläubigen wiegelt ab. „Mit Gottes Segen kommt alles gelegen“, so spotten sie über die Furcht der anständigen Menschen und drohen damit, auch weiterhin das gesamte Land für ihre Treffen zu missbrauchen.
In den letzten Jahren nahm das Interesse der Bevölkerung an Kirche, Glauben und Gott beständig ab und konzentrierte sich dafür vielmehr auf die wichtigen Dinge des Lebens. Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit ersetzen in unserer heutigen Zeit die antiquierten Tradition um das ewig Geistliche. Doch die Jünger des Herren lassen nicht locker. Ein bundesweites Netzwerk von Pfarrern und Helfershelfern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen – neben der Arbeit – auch noch in dem Joch des Glaubens zu knechten. Massenwirksamstes Hilfsmittel dieser Mission ist der Kirchtag. Straff organisiert und mit vielen Angeboten sollen die Menschen dem Herrn zugeführt werden.
Aus diesem Grunde haben die Veranstalter schon tausende Dixie-Klos in der ganzen Stadt positioniert. Neben ihrem eigentlichen Verwendungszweck dienen die so genannten „blauen Kirchen“ auch dazu, um in einem abgeschlossenen Raum die Sünden zu beichten. Oder bei der Beichte zu sündigen. Je nach dem.
Polizei und Ordnungskräfte richten ihr sicherheitsbedürftiges Augenmerk vor allem auf eine Gruppe von Menschen, die schon mehrmals in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Ruhestörung und tumultartigen Übergriffen genannt wurde. Die Mitglieder der berüchtigten „Kelly Family“ werden von Kritikern der Szene unter der Hand sogar als die „Hells Angel“ der Gläubigen gehandelt. Und gerade deshalb werden bei ihren Konzerten verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zu treffen sein.
Größte Sorge bereitet den Berlinern jedoch die Chance auf Krawalle zwischen gewalttätigen Protestanten und Katholiken. Gerüchten zur Folge sollen sich auch einige andere, zum Teil politische Gruppen und unter dem Deckmantel von diversen Protesten, für das Wochenende angekündigt haben. Der Pabst selber goss sogar noch vor einigen Wochen Öl in das schwelende Feuer und sprach sich öffentlich gegen das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten aus. Eine Versöhnung scheint daher noch in weiter Ferne.
Und auch das Ausland reagierte empört auf die neuerliche Auflage des christlichen Treffens. In Großbritannien leide man seit Jahrzehnten an der Verspottung durch die Gottesjünger. Mit „God shave the queen“ hatten sich angeblich damals einige Vertreter der Kirche gegen das englischen Königshaus aufgelehnt.
|