Kein Nichts, kein Chaos – nichts wird passieren! 
Wie man in den letzten Wochen oder Monaten feststellen konnte, hat sich innerhalb der Punk-Szene bezüglich der möglicherweise anstehenden Chaos-Tage glücklicherweise rein gar nichts bewegt. Dennoch scheint besonders eine Landesregierung zumindest mehr zu wissen, als der ganze Rest der bundesdeutschen Bunthaarigen. Was nicht besonders klug sein muss, denn wie die Vergangenheit gezeigt hat, wissen auch Punker das Internet für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Und möglicherweise hat sich gerade eine ganz bestimmte Stadt kurz vor dem ersten Augustwochenende selbst ein riesengroßes Ei gelegt und wird daher vielleicht am kommenden Wochenende mit dem frisch „Geschlüpften“ zusehen müssen, wie man mit so einer Sturzgeburt umgeht. Man weiß nicht, aus welcher Werbefabrik nun gerade eine Woche vor dem berüchtigten Chaos-Datum eine Idee kommt, die verheerende Auswirkungen haben könnte.
Welcher überengagierte Mitarbeiter mag wohl dafür gesorgt haben, dass gerade jetzt eine Jacke auf den Markt geworfen wird, die mit der Aufschrift: „Urlaubsstadt Hannover“ eventuell auch unliebsame Zeitgenossen in die Stadt ziehen könnte? Mit ein wenig Überlegung hätte man zumindest in Absprache mit den ortsansässigen Polizeibeamten darauf kommen müssen, dass die Markteinführung ab Mitte August sicherlich klüger gewesen wäre.
Keiner kann nämlich genau wissen, ob sich nicht vielleicht gerade die - in Hannover unerwünschten - Punks auf die zwei Worte „Urlaubsstadt Hannover“ wie ausgehungerte Blutsauger stürzen und nun quasi eingeladen fühlen. Und um noch eins draufzusetzen: selbstverständlich wurde auch werbetechnisch sofort dafür gesorgt, dass die neue Jacke von ganz Deutschland zur Kenntnis genommen wird. Im Frühstücksfernsehen versteigerte man medien- und öffentlichkeitswirksam ein Exemplar des neuen Kleidungsstückes: Unter den Blicken aller Deutschen und auch derer, die man vielleicht um diese Uhrzeit noch nicht vor dem TV-Gerät wähnte.
Und es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich die – als Krawalltouristen bezeichneten – Jugendlichen von derlei Sachen anlocken ließen. Auch die Weltausstellung Expo wirkte damals wie ein magischer Anziehungspunkt und bescherte der Stadt im Jahre 2000 unzählige von bunthaarigen Punks. Aber nun wird man erst spätestens am 04. August wirklich wissen, ob man mit der – als Werbeidee gedachten – „Urlaubsjacke“ nicht ein Pulverfass mitten in Hannover aufgestellt hat.
Jedoch wirklich ernst zu nehmende Aufrufe für eventuelle Chaos-Tage konnte man dieses Jahr bislang nicht verzeichnen. Keiner, der noch so unauffindbaren Informationskanäle brachte darüber Aufschluss, ob der Mob aus Punks, Sympathisanten und Mitläufern dieses Jahr eine neuerliche „Party“ planen würde. Die versprengten Hinweise auf die – mittlerweile wohl über 20(!) – verschiedensten Austragungsorte verhallten im Web und wurden auf der Straße vom so genanten „Streetpunk“ wahrscheinlich gar nicht erst wahrgenommen. Allein die vermehrten Bemühungen für geplante Chaos-Tage im Jahr 2006 bereiten wahrscheinlich jetzt schon vielen Leuten arge Kopfzerbrechen.
Und so wird es wohl dieses Jahr ruhig und - dem Himmel sei´s getrommelt und gepfiffen - das Chaos ausbleiben. Trotz der neuen Trend-Jacke: „Urlaubsstadt Hannover“.
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